Velocity made Good

Boat it Yourself

Warum das Selber-Macher-Gen nicht unwichtig ist

Die Kernaspekte der Eignerschaft sind a.) Geld b.) Zeit c.) Sicherheit d.) Stolz. Doch was heisst das nun, wenn es darum geht ob man sich eine eigenes Boot anschafft. Oft unterschätzt und noch häufiger falsch eingeschätzt, ist die Anschaffung eines eigenen Schiffes zumeist irrational. Betrachten wir die Aspekte mal im Detail:

a.) Geld – und die übersetzte Bedeutung

Jeder, der sich „schlau“ macht, rund um die Anschaffung eines eigenen Bootes, liest den folgenden Satz: „Der Anschaffungspreis ist nur der Anfang“ oder „Der Kaufpreis ist die Spitze des Eisbergs“. Korrekt. Aber nicht „abschreckend“. Sind wir mal ehrlich, das Letzte was jemand braucht ist so ein dämlicher Artikel wie ein Boot. Oder? Aber. Gehen wir einfach mal davon aus, dass es Menschen gibt die das Wasser, das Verstreichen-Lassen von Zeit auf dem Wasser, das rudimentäre Gefühl der Freiheit auf dem Wasser, das Gefühl von Autarkheit und Unabhängigkeit, das „gute“ Gefühl einfach mal weg sein zu können … schon im Geiste so beruhigt und frei macht, dass ein Boot nichts Anderes ist, als das Synonym für „ja“!. Wieviel ist dieses Gefühl und die damit einhergehende mentale Gesundheit wert? Ich sage mal „unbezahlbar“. Und wenn man nicht aufpasst wird es das auch. Also hier mal ein Einblick in das Thema „Geld – Zeit – Sicherheit – Stolz“.

b.) Zeit – hat man nie aber nimmt man sich

Man hat Eines von Beidem oder Keines davon so richtig. Geld oder Zeit. Wer nicht zu der komplett Sorglos-Fraktion in Sachen Geld gehört, der verbringt verdammt viel Zeit damit Dieses zu beschaffen. Meistens kommt dabei eine finanzielle Grundlage zustande, die einen auf den ersten Blick nur unglücklich machen kann. Zuviel zum Meckern, zu wenig um los zu lassen, zumindest beruflich gesehen. Also heisst es, die Zeit für „Leidenschaft“ und „Pflicht“ so zu gestalten, dass sich eine Balance zwischen Einsatz und Ergebnis einstellt.

In der Tat kann man alle Arbeiten an einem Boot abgeben, genug Bootsbauer, Refitter, Segelmacher buhlen um das hart verdiente Geld des Eigners. Ich kann für die Eignerschaft von Medusa sagen; ohne sehr viel persönlichen Zeiteinsatz ginge das Alles gar nicht. Es wäre finanziell überhaupt nicht möglich dieses Hobby so auszuführen wie wir es tun, wenn man nicht 80% der Dinge selber machen würde.

Nicht wenig der Zeit geht ins Lande um sich Dinge beizubringen, die man nie zuvor gemacht hat. Lernen durch machen, oder besser, Lernen durch Fehler, oder besser, lernen durch Fehler die hoffentlich nicht gefährlich sind. Hier meine Formel: 50% Lesen – 30% die eigenen Fähigkeiten einschätzen und realisieren – 20% Machen. Und alles das, was aus dieser Formel rausfällt muss man machen lassen. Von Profis. Warum? Sicherheit.

c.) Sicherheit – kommt mit den kleinen Erfolgen

Da draussen auf dem Wasser gibts keinen Mechaniker der mal eben …. So ist es. „Boat it yourself“ heisst „Do it yourself“ und damit „Kenne dein Boot“.

Es gibt Dinge, die traut man sich nach intensivem Durchdenken der Aufgabe und Ihrer Relevanz nicht zu. Öfters, oder immer, geht es um Aspekte der Sicherheit, der Verlässlichkeit, und der Verantwortung die man übernimmt wenn man sich selber, aber vor Allem Andere, auf einem Boot durch das Wasser befördert. Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten folgt, in meinem ganz persönlichem Falle, einem der Grundsätze des „Neuro-linguistischen Programmierens“. Im Detail dem Grundprinzip:„Wenn etwas nicht funktioniert, tue etwas anderes“. Man kann alle Energie, Intelligenz, und Erfahrung daran setzen etwas zu tun, was man vielleicht noch nie vorher getan hat. Hey, dazu gehörten bei mir Dinge wie „Impeller tauschen“, „Glasfaser laminieren“, „bei 8bft die Genau bergen“, „Dieselpest aus dem Tank entfernen“, NMEA 0183 mit NMEA200 und Seatalk vernetzen“…. ja, klar, es sind die Dinge die vielleicht jeder lernen muss, wenn er sich dem Metier des Segelns hingibt. Oder auch nicht. Und es wird stetig komplexer. Aber man muss es sich in seiner Gänze bewusst machen. Je bewusster man sich den Themen und Ihrer Komplexität wird, und so mehr Erfahrungen man auf dem Wasser sammelt, umso mehr Klarheit man über die potentiellen Probleme erlangt, umso besser wird die Abwägung der „Sicherheit“ und der „Selbstüberschätzung“. Man entwickelt für sich Klarheit über das, was man selber machen kann und sich dabei so sicher fühlt, dass man mit dem Ergebnis auch die Verantwortung für Andere übernimmt. Diese Sicherheit muss „sitzen“. Darf nicht mit Überheblichkeit und Nachlässigkeit, oder Sorglosigkeit, verwechselt werden. Die bewiesene Wahrheit ist das Funktionieren dieses Prinzips und dem Ausbleibenden von Verletzungen und Schäden. Erfahrung ist nicht ersetzbar, aber vorauskalkulierbar … mit der 50-30-20 Formel.

d.) Stolz – entsteht durch die wachsende Sicherheit

Der Stolz kommt nicht aus dem monetären Wert eines Bootes, nicht aus der Zeit die man investiert, nicht aus dem Geld, dass man für professionelle Dienstleister ausgibt, und auch nicht nur aus den Dingen die man sich selber beibringt und lernt. Stolz kommt nur, ganz allein, und ausschließlich, aus der funktionierenden Mischung in einer Form die da lautet „Klappt für mich! Muss so nicht für Andere klappen“. 🙂 Findet die Mischung. Und seid stolz auf Eure Art der Eignerschaft, nicht auf die auferlegte Art wie man sie gerne suggeriert bekommt.

Wandelt man auf dem gesunden Pfad des „Investments“ im Sinne von Zeit, Geld, der Balance mit den Rahmenbedingungen und der eigenen Freude an dem Hobby, stellt sich Zufriedenheit ein. Bemesst das Glück und die Erfüllung an diesem wundervollen Hobby an seiner Kompatibilität mit den Lebensumständen, und übertreibt es in Keiner der möglichen Ausprägungen, nicht monetär, nicht durch Vernachlässigung Anderer oder Anderem, nicht in falsch erfundener Selbstgefälligkeit. Das kann nur schief gehen.