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Navigation Update mit Shipmodul und B&G Vulcan

Nach zwei Jahren mit dem Tablet als Plotter war es Zeit ein paar Tücken dieser Art der Navigation auszumerzen. Vorweg; es hat immer gut funktioniert und die Boating App von Navionics war stets ein treue Begleiter. Und bleibt als Fallback auch auf dem Boot. Es gab aber über die Zeit ein paar Dinge die gestört haben, und ein paar Dinge die besser werden sollten, und ein paar Dinge die „Mann“ einfach haben wollte. Zudem war das Tablet dann mittlerweile doch manchmal wegen Sonneneinstrahlung und Überhitzung ausgestiegen, oder die wasserdichte Hülle war doch nicht sooo wasserdicht, oder ich hatte das blöde Tablet einfach zu Hause vergessen als es zum Boot ging. Aber kurz zurück zur Ausgangssituation:

Autohelm ST50 und das NavCenter 300

Bei Übernahme von Medusa vor etwas über einem Jahr war das Boot mit der Autohelm ST50 Serie und dem NavCenter300 ausgestattet. Das NavCenter haben wir nie benutzt. Konnten wir auch nicht. Mal abgesehen vom Alter, den nicht mehr verfügbaren aktuellen Karten, dem mittlerweile kaum noch lesbaren Display, sowie der nicht vorhandenen „Schnelligkeit“, war das Teil mit einem Pinlock gesichert dessen PIN niemand mehr wußte. Also blieb das Gerät seit Anbeginn im Dornröschenschlaf. Mittlerweile durfte mein 10Jähriger das Ding einfach zerlegen und sich die Taster per Lötkolben für seine Bastelprojekte klauen.

Der Navitisch mit dem alten Autohelm NavCenter 300

Seatalk1, NMEA0183 und NMEA2000 – und nun?

Die ST50 Serie von Autohelm ist über den alten Seatalk1 Standard vernetzt, kein ng, kein NMEA0183 und kein NMEA2000. Der Wunsch nach einem Update der Navigation brachte direkt die Folgefrage nach dem „womit“ mit sich, und der Herausforderung der Kompatibilität der Standards und Geräte. Grundsätzlich würde ich die Elektronikhersteller der Branche alle als „Verbrecher“ bezeichnen, und doch ist klar, dass man proprietär sein will um möglichst mehrere Geräte der eigenen Serie an den Verbraucher zu bringen, das ist business.

Zurück zur Frage; wie macht man nun ein „Teilupdate“ der Elektronik ohne direkt alles austauschen zu müssen, und trotzdem eine gewisse Vernetzung und Kompatibilität herzustellen?

Dank eines sehr guten Hinweises des guten Bekannten Michael Zapf (http://www.zapfware.de, NMEAremote App) wurde ich auf den Multiplexer Shipmodul aufmerksam. Nach einiger Recherche, Telefonaten mit Michael, und dem gedanklichen Beseitigen von Zweifeln ob der Komplexität des Plans, wurde der Multiplexer geordert und zum Dreh-und Angelpunkt des Datenflusses auf Medusa.

Wohin mit dem Plotter?

Die nächste große Frage war …wohin mit dem 9″ Vulcan Plotter?

Die eingebauten ST50 Module. Die Klemmen für die Fallen. Die Winschen.

Neben dem Niedergang? Da sind aber schon die ganzen ST50 Instrumente. Und ausserdem die zwei beliebtesten Plätze an Bord, so dass immer jemand davor sitzt um sich bequem anlehnen zu können .. und der Skipper sieht …nix mehr.

Unter die Sprayhood? Aber wir haben ja alle relevanten Fallen ins Cockpit umgelenkt. Und zwei Winschen dort, davon eine elektrisch. Egal welchen Arm / Halter man für den Plotter genommen hätte und wie schwenkbar er auch immer sei, der wäre immer im Weg.

An die Steuersäule? Nur erlaubt das vorhandene Gestänge keine Installation eines normalen Navpods.

Nach etwas Recherche stolperte ich dann über den einarmigen und schwenkbaren Navpod im Klabautershop. Sah nach einer sinnvollen Lösung aus, nur passte der Vucan9 wegen ein paar mm nicht in das Gehäuse, die Aufnahmen für das Verschließen/Verschrauben des Gehäuses waren dann im Weg.

Aber was nicht passt wird passend gemacht. Und mit Multitool und Dremel wurde das Gehäuse zu Hause so modifiziert und vorbereitet, dass auch der Vulcan9 darin Platz fand.

Der zuhause vorbereitete Navpod mit dem Vulcan. Passt so gerade. Nach kleinen Modifikationen.
Der Vulcan an seinem neuen Platz. Schwenkbar und drehbar.
Wirkt bei der Perspektive sehr groß. Passt aber gut ins Gesamtbild und läßt sich leicht aus dem Weg drehen.

Im Überblick Die Komponenten des Updates

Um das vorhandene Seatalk Netzwerk zu belassen und um neue Elektronik zu ergänzen kam Folgendes auf die Einkaufsliste:

  • B&G Vulcan 9
  • C-Map Karten
  • Shipmodul NMEA-Multiplexer MiniPlex-3Wi-N2K
  • Navpod mit schwenkbarem Halter für die Steuersäule
  • NMEA2000 Netzwerkkabel & Backbone
  • Entsprechende Decksdurchführungen etc. für die Kabel

Der Einbau, Verkabelung, Vernetzung zwischen Seatalk1 und NMEA 2000

Vulcan9 und Navpod waren, zuhause vorbereitet, schnell an dem vorhandenen Gestänge des Steuerstands montiert. Die Verkabelung brauchte etwas, das übliche klettern in engsten Ecken und der Versuch Kabel möglichst unsichtbar zu verlegen, das kostet halt seine Zeit. Dazu kommt die Überlegung nach der sinnvollen Stelle für den NMEA2000 Backbone etc..

Der Shipmodul Multiplexer war schnell und einfach in das bestehende Seatalk1 Netzwerk integriert. Zwar versorgt das Netzwerk den Multiplexer ausreichend mit Strom, aber entsprechend der Empfehlung des Herstellers bekam der Shipmodul noch eine eigene, zusätzliche Stromversorgung.

Das Einschleifen in das Seatalk Netzwerk war simpel und entsprechend der Anleitung schnell erledigt. Wer Farben erkennt und die Adern richtig an die Klemmen bringt, der hat es fast schon geschafft. Der Multiplexer hat diverse NMEA0183 Eingänge und Ausgänge. Der erste Eingang ist umschaltbar auf Seatalk. Das macht man schnell und einfach in der ConfigSoftware des Multiplexers. Er übersetzt dann wild blinkend zwischen Seatalk, NMEA0183 und NMEA2000, und das Ganze bidirektional.

Die Oberfläche der Shipmodul Konfiguration

Dazu wurde der Multiplexer einfach per USB mit dem Mac verbunden, die Treiber installiert, und dann ging Alles ganz schnell.

Der Backbone des neuen NMEA2000 Netzwerks wurde einfach mit dem vorhandenen NMEA2000 Anschluß des Multiplexers verbunden. Fertig.

Der Multiplexer erzeugt übrigens auch sein eigenes WLAN, welches man als Client oder Accesspoint konfigurieren kann. Bei mir arbeitet es als Client und erlaub das Abgreifen aller NMEA/Seatalk Daten per DrittApps über WLAN.

Die Konfigurationsmöglichkeiten des Multiplexers sind enorm. Aber auf die Details gehe ich hier nicht ein, das füllt Bücher. Aber. Brauche ich zum Glück auch gar nicht. Denn nach dem Umschalten des Eingangs1 auf Seatalk fing es fleissig an zu blinken und loggen. Sollte das so einfach sein?

Shipmodul MiniPLex-3. Einfach genial. Genial einfach.

In der Tat war die Konfiguration eine Sache von 10 Minuten. Man kann noch viel machen, muss man aber nicht. Je nachdem was man plant und braucht und welche Komponenten zum Einsatz kommen. Etwas komplexer wird es beim Einbinden vielleicht nicht ganz neuer Autopiloten und Kurscomuptern. Dazu ein anderes Mal mehr.

Die Mirrorfunktion des Vulcan9. Unter Deck alles im Blick.

Das Tablet, welches zuvor die Navigation an Board war, ist nun als „zweiter“ Plotter mit der Navico Link App ausgestattet, und erlaubt die Steuerung des Plotters unter Deck vom Navitisch aus. Dort kann man trocken und warm planen, oder sich auf längeren Schlägen auch mal erholen und hat trotzdem Alles im Blick. Über die genauen Funktionen des Vulcan, seinen Möglichkeiten, und der Link App von Navico lasse ich mich hier mal nicht erschöpfend aus. Das kann man sich einfach anlesen und nachschauen.

Die „Link“ App von Navico auf einem Samsung Tablet
Manchmal pixelt und „blurred“ es ein wenig.

Trotzdem ein Satz zur Performance der „Link“ App: Sie braucht eine gute Wifi Verbindung und die Reaktionszeit hat selbst bei gutem Netz etwas Latenz. Ab und zu pixelt es etwas wenn man zu schnell wischt und klickt. Aber im Großen & Ganzen funktioniert die Sache echt gut.

Fazit: Alt und Neu in Harmonie vereint?!

Läuft.

Im Endeffekt war und ist das alles kein Hexenwerk mit dem Vernetzen älterer und neuerer Geräte. Allerdings muss man immer bedenken, dass bestimmte Sachen dann doch nicht funktionieren. Den alten Autohelm Autopiloten werde ich nicht über den Vulcan steuern können, dafür müßte ein neuer Kurscomputer etc. her. Oder Michael „hackt“ mir das noch zurecht.

Aber genau das ist und war ja der Plan. Anfangen zu erneuern, aber nicht alles auf Einmal. Ziel erreicht. Soweit. Jetzt kommt in der Winterpause noch ein neuer AIS Transponder in das Netzwerk, sowie eine neue Funkanlage. In diesem Falle auch B&G, da ich gerne AIS Ziele per „touch“ vom Plotter aus anfunken können möchte.

Dazu dann bald Mehr.